In diesem Jahr habe ich das erste Mal an der re:publica in Berlin teilgenommen. Das Motto: POP. Was ich erlebt habe und welche drei wichtigen Erkenntnisse ich für mich mitgenommen habe, liest Du hier.

#rp18 – und ich war dabei!

Die re:publica findet seit 2007 jedes Jahr statt. Sie ist laut eigener Aussage die „größte Konferenz zu den Themen Digitalisierung und Gesellschaft in Europa“. Dieses Jahr ging es vom 02. bis zum 04. Mai in verschiedenen Panels, Workshops und Vorträgen um Medien, Kultur, Politik, Technik und Entertainment. Gerade in diesem Jahr waren auch viele feministische Themen auf dem Timetable zu finden.

Schon in den letzten Jahren wollte ich immer einmal dabei sein – 2018 hat es dann endlich geklappt und ich habe meine erste re:publica miterlebt!

re:publica goes POP

Das Motto der diesjährigen re:publica war POP. Was kann man sich darunter vorstellen?

POP im Sinne einer Populärkultur im digitalen Zeitalter, von Mainstream und Filterblasen, die nichts Anderes als das eigene Welt- und Meinungsbild zulassen. POP als das, was die Massen erreicht – vielleicht sogar im populistischen Sinne. Oder aber Power tOthe People, denn schließlich kann heute jeder die Digitalisierung und das Internet nutzen, um für die eigene Sache einzustehen. All diese Ansätze waren Themen auf der re:publica.

Ein richtig fettes Aufgebot

Von diesen ganzen Themen und der Masse an Vorträgen war ich zunächst ganz erschlagen: 500 Stunden Programm, 950 Vortragende, 18 Bühnen, 15 verschiedene Themengebiete.

Wie soll man sich denn da Bitteschön entscheiden?!

Am Ende habe ich mich aus dem Bauch heraus entschieden und mir die Speaker herausgesucht, die mich am meisten interessiert haben. Natürlich hätte ich mich am liebsten in mehrere Teile gesplittet, aber meine Taktik hat auch ganz gut funktioniert.

Aber nicht nur das Programm war beeindruckend. Auch die Location (Station Berlin), die Ausstellungsfläche und die Außenbereiche hatten was zu bieten: Foodtrucks, Meetup-Flächen, ein Bällebad, künstliche Intelligenz, Musik… Hier möchte ich einfach mal ein paar Eindrücke mit Dir teilen:

Was habe ich mitgenommen?

Eigentlich ist ein einziger Blogpost viel zu wenig, für all den neuen Input, der an zwei Tagen re:publica in mein Gehirn gepumpt wurde. Aber ich beschränke mich der Übersichtlichkeit halber auf die drei wichtigsten Erkenntnisse, die ich gewonnen habe.

#frauentrauteuchwasihrhabtsdrauf

Feminismus, Frauen in der Digitalbranche und weibliche Pionierinnen – ich habe einige Vorträge von starken Frauen für starke Frauen gesehen. Der Tenor: Frauen, traut euch was!

Beeindruckt haben mich Christiane Frohmann (Frohmann Verlag i:books) und Nicola Richter (Mikrotext) – zwei Internetverlegerinnen. Beide haben einen eigenen Verlag gegründet; zunächst als reinen E-Book-Verlag, später dann auch mit Print-Titeln im Repertoire. Nicht nur eine unternehmerische, sondern auch logistische Herausforderung. Der Unternehmergeist der beiden hat mich auf jeden Fall inspiriert.

Im Panel mit Marieke Reimann (Chefredakteurin der ze.tt) und Silvia Follmann (Redaktionsleiterin bei Edition F) entwickelte sich am Donnerstag eine rege Diskussion mit dem Publikum darüber, wie Frauen es schaffen können, noch stärker in Führungspositionen vertreten zu sein. Dabei zeigte sich, dass Frauen ihr Licht häufig unter den Scheffel stellen und sich unter Wert verkaufen.

Und genau das habe ich dann später ganz persönlich erfahren. Am Donnerstag gab es eine kleine Zusammenkunft von Female Future Force Teilnehmerinnen am Bällebad. Nachdem wir eine Zeit lang gequatscht hatten, bemerkte einen von ihnen: „Wenn wir Männer wären, hätten wir schon längst unsere Visitenkarten ausgetauscht und uns mindestens einen Auftrag vermittelt.“ Stimmt! Und dann begann das Nummern-Getausche.

#nachdenkenhilft

Auf Konferenzen habe ich oft das Gefühl, dass das gegenseitige sich-auf-die-Schulter-klopfen eigentlich der Veranstaltungskern ist. So nach dem Motto: Ach, was sind wir alle toll!

Auf der re:publica habe ich viele Panels und Vorträge gehört, die sich durchaus kritisch mit der aktuellen Situation und bestimmten Zuständen beschäftigen.

Im Eröffnungspanel zum Thema „Die Revolution disst ihre Kinder – Alte Linke, neue Rechte und das Internet“ (mit Stefan Niggemeier, Samira El Ouassil und Nils Markwardt) wurde beispielsweise sehr kritisch über die aktuelle politische Lethargie diskutiert: Führt Individualisierung zu Apolitisierung? Verlangen komplexe Zeiten nach einfachen Lösungen? Natürlich gibt es keine sofortigen Antworten auf diese Fragen, aber eine gute Diskussion darüber schmeißt auf jeden Fall mal wieder den Denkapparat an und richtet den Blick auf die eigenen blinden Flecken.

Ein weiteres tolles Beispiel dazu, ist der Vortrag von Ranga Yogeshwar. Ich kannte den Herrn Yogeshwar bisher nur von Quarks & Co und war überrascht über seine enorme Bühnenpräsenz. Der Tenor seines Vortrags: Müssen wir alles machen, nur, weil wir es können? Brauchen wir noch eine Uhr, die unseren Hautwiderstand misst und uns daran erinnert, dass wir Stress haben?

Der Vortrag brachte mich zum Nachdenken, inwiefern wir unsere mannigfaltigen Möglichkeiten nutzen können, um einen wirklichen Unterschied zu machen.

#ohnezielgruppeläuftnichts

Mein Lieblingsthema: Zielgruppen.

Auch auf der re:publica gab’s zu diesem Thema viel Input und bestärkt mich wieder einmal darin, dass es wirklich wichtig ist, sich mit denjenigen zu beschäftigen, die man erreichen möchte.

Charles Bahr (Deutschlands jüngster Gründer – gerade 16 Jahre jung geworden) erzählte ganz locker flockig über die Generation Z: Was bewegt sie? Wo hält sie sich auf? Welche Themen interessieren sie? Die Generation ist zwar (noch) nicht meine Zielgruppe, zeigte mir aber, dass eine intensive Auseinandersetzung mit den potentiellen Kunden die Grundlage von unternehmerischem Erfolg ist.

Auch der Vortrag von Marina Schakarian und Varinka Link zum Thema „10 Tipps für Livestreams auf Facebook & Youtube“ hatte im Endeffekt die Quintessenz: Die Zuschauer bestimmen die Inhalte. Die Streamer haben die Macht über die Länge der Livestreams und der Inhalte – ansonsten entwickelt man Formate komplett am Bedarf vorbei. Auch hier steht die Zielgruppe im Fokus der Aufmerksamkeit.

Ich freue mich, dass ich diese drei wichtigsten Erkenntnisse meiner zwei re:publica Tage mit Dir teilen konnte. Warst Du auch dort – was hast Du erlebt? Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen!

Alles Liebe
Ann-Christin