Okay, zugegeben: Ich habe die Walt-Disney-Methode nur wegen des Namens ausgewählt. Aber nachdem ich sie für Dich ausgetestet habe, kann ich Dir diese Kreativitätstechnik mit bestem Gewissen weiterempfehlen!

 

Fakten, Fakten, Fakten

Wie gesagt, habe ich diese Methode als bekennender Disney-Fan des Namens wegen ausgesucht. Tatsächlich geht diese Methode aber gar nicht direkt auf Walt Disney zurück (etwas schockiert war ich schon), sondern auf Robert Brian Dilts. Der schrieb über Walt Disney: „… there were actually three different Walts: the dreamer, the realist, and the spoiler“. Außerdem ist diese Kreativitätstechnik an die Sechs-Hüte-Methode von Edward de Bono angelehnt. So viel zu den Fakten.

 

Nimm verschiedene Sichtweisen ein

Die Walt-Disney-Methode ist eine Kombimethode – quasi eine Mischung aus diskursiver und intuitiver Methode. Es geht darum, dass Du verschiedene Rollen einnimmst – den Träumer, den Kritiker und den Realisten. Diese drei Rollen kommen normalerweise bei jedem Deiner Gedankengänge zum Tragen. In dieser Methode nimmst Du Dir ganz bewusst Zeit und Raum, um jede Rolle gleich lang zu Wort kommen zu lassen. Zum Teil ist es wie ein Schauspiel. Dadurch, dass Du Dich komplett auf eine Rolle fokussierst, kannst Du wirklich tolle Lösungen und Ergebnisse erzielen.

 

So funktioniert die Walt-Disney-Methode

Für die Walt-Disney-Methode solltest Du Dir ruhig ein bisschen Zeit und Raum nehmen. Ich denke Zeitdruck würde einen hier sehr einschränken. Bereite alles was Du brauchst vor: Papier, verschiedenfarbige Stifte, einen Timer, Klebeband. Tee und Kaffee sind optional 😉

 

Step 1: Überlege Dir eine Fragestellung

Bevor Du mit der Methode beginnst, brauchst Du natürlich eine Fragestellung oder ein Thema. Schreibe es auf einen Zettel und häng das Blatt gut sichtbar an die Wand.

 

Step 2: Der Träumer

Zuerst nimmst Du die Rolle des Träumers ein. Für den Träumer ist alles möglich. Er hat ausgefallene und fantastische Ideen, sieht alles optimistisch. Für ihn gibt es keine Grenzen. Er fragt sich: Was wäre mein Wunschtraum? Was wäre schön? Was wäre, wenn meiner Fantasie keine Grenzen gesetzt wären?

Nimm Dir 15 Minuten Zeit und betrachte das Problem oder die Fragestellung aus seinen Augen. Wie würde er es angehen? Welche Überlegungen hat er dazu. Notiere die Sicht des Träumers auf einem Papier und hängst es an die Wand. Nach den 15 Minuten machst Du eine kurze Pause.

 

Step 3: Der Kritiker

Dann ist der Kritiker für eine Viertelstunde dran. Der Kritiker ist sehr herausfordern und nimmt alles genau unter die Lupe. Dabei ist er recht kritisch (bleibt dabei aber immer konstruktiv). Er fragt sich: Was kann daran nicht funktionieren? Was wurde übersehen? Ist das überhaupt möglich?

Er kritisiert die Überlegungen des Träumers, stellt Fragen und untersucht die Gedankengänge auf Schwachstellen. Auch seine Sichtweise notierst Du auf einem Zettel (am besten in einer anderen Farbe) und hängst es an die Wand. Nach den 15 Minuten machst Du wieder eine kurze Pause.

 

Step 4: Der Realist

Anschließend ist der Realist an der Reihe. Der Realist ist sehr pragmatisch und praktisch veranlagt. Er ist ein neutraler Vermittler zwischen dem Träumer und dem Kritiker. Er fragt sich: Was wird für die Umsetzung benötigt? Wie könnte man das realisieren? Was muss noch getan werden?

Er nimmt die Vermittlerposition zwischen dem Träumer und dem Kritiker ein. Er versucht beide Sichtweisen zu verstehen und Ansätze und Lösungen zu finden. Er überlegt sich, wie man Probleme lösen kann und zeigt nächste Schritte und ToDos auf. Auch diese Sichtweise kannst Du auf einem Zettel mit einer dritten Farbe notieren.

 

Step 5: Die Diskussion

Diese Methode erfordert doch ziemlich viel Reflexionsvermögen. Mir ist es zum Teil sehr schwer gefallen in einer Rolle zu bleiben oder sie auszufüllen. Mit einem oder zwei Partnern kann es die ganze Sache erleichtern. Dann kann jeder in seiner Rolle bleiben. 

Wenn Du diese Kreativitätstechnik mit einem oder zwei Partnern austestest, kannst Du im Anschluss auch gerne in die Diskussion gehen.

 

Du schaffst eine komplexe Sichtweise

All diese Vorgänge durchläuft Dein Gehirn normalerweise innerhalb von Sekunden bei einem Gedankengang. Mit dieser Methode nimmst Du Dir ganz bewusst Zeit, um die einzelnen Stufen zu durchlaufen. So kannst Du eine ziemlich komplexe Sichtweise auf deine Fragestellung entwickeln.

 

Worauf Du achten solltest

Ich möchte hier gerne noch meine Learnings mit Dir teilen:

  • Jede Rolle hat ihre Zeit. Wenn der Träumer dran ist, haben der Kritiker und der Realist Pause. Und andersherum. Später kann man dann immer noch in die Diskussion gehen.
  • Schreibe bei den Sichtweisen keine Fragen auf. Es geht hier um klare Aussagen der jeweiligen Rolle.
  • Der Kritiker muss konstruktiv sein. In dieser Position darf man nicht grundsätzlich alles in Frage stellen, sondern vielmehr Schwachstellen aufdecken.
  • Wenn Du mit mehreren Personen arbeitest: Sprich Deinen Partner nicht direkt an („Du hast gerade gesagt, dass …“), sondern sprich ihn in seiner Rolle an („Der Kritiker hat gesagt, dass …“). So fühlt sich niemand persönlich angegriffen und die Diskussion wird nicht zu emotional.
  • Halte die Pausen ein und nimm Dir die Zeit, wieder aus Deiner Rolle herauszukommen und die neue Rolle einzunehmen.

 

Ich wünsche Dir viel Erfolg mit dieser Kreativitätstechnik. Wenn Du sie ausprobiert hast, dann freue ich mich sehr, wenn Du Deine Erfahrungen mit mir in den Kommentaren teilst!

Alles Liebe
Ann-Christin