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Kopfkino: Bildhaft schreiben mit 5 Textwerkzeugen

Bildhaft schreiben

Bildhaft schreiben und ein richtiges Kopfkino erzeugen? Das ist gar nicht so schwer! Hier stelle ich Dir fünf Textwerkzeuge vor, mit denen Dir die bildhafte Sprache gelingt.

Bildhaft schreiben ist Malen mit Worten

Manchmal lesen wir ein Buch und sind vollkommen gefangen. Dann schaffen es die Worte, uns in eine gänzlich fremde Welt zu entführen; exotische Speisen auf der Zunge zu schmecken und eigentümliche Gerüche in der Nase zu spüren. J.R.R. Tolkien und J.K. Rowling bringen es fertig, uns in eine fantastische Welt zu entführen und diese vor unserem inneren Auge Wirklichkeit werden zu lassen. Um ein solches Kino in unserem Kopf entstehen zu lassen, brauchen diese Autoren nichts weiter, als einen Stift und ein Blatt Papier. Sprache kann so unendlich machtvoll sein!

So erzeugst Du Kopfkino bei Deinen Lesern

Dabei ist diese Wortmalerei kein Hexenwerk. Jeder von uns kann bildhaft schreiben. Hier möchte ich Dir einige Textwerkzeuge vorstellen, mit denen Du ein Kopfkino bei Deinen Lesern erzeugen kannst:

Adjektive

Du möchtest bildhafter schreiben? Dann sind Adjektive Dein Mittel der Wahl. Adjektive erlauben Dir Deinem Leser ganz genau zu beschreiben, wie eine Situation sich anfühlt. Adjektive beschreiben und zeichnen ein genaues Bild. Du solltest sie gezielt und punktgenau einsetzen; inflationärer Gebrauch macht Deinen Text eher blumig und ausufernd. Hier gebe ich Dir ein schönes Beispiel dafür, wie Adjektive es schaffen, einen Satz bildhafter zu gestalten:

Entweder..

„Die Rose war rot.“

.. oder

„Die Rose war von einem tiefen, leuchtenden Purpurrot.“

Siehst Du, wie zwei Beschreibungen ein viel genaueres Bild von einer Blume erschaffen können? Zudem bekommt der Satz durch die spezifische Beschreibung eine größere Bedeutung.

Erzählperspektive

Die Erzählperspektive hast Du früher im Deutschunterricht wahrscheinlich bis zum Erbrechen behandelt. Dabei ist sie vielmehr als ein lästiges Klausurthema. Sie kann Dir dabei helfen, Deine Leser in die Gedankenwelt Deiner Protagonisten eintauchen zu lassen. Entscheidest Du Dich für die Ich-Perspektive? Oder für das allgemeinere „man“? Beides hat seine Daseinsberechtigung, sollte jedoch gezielt eingesetzt werden. Ein Beispiel:

Entweder…

„Man hatte ja schon häufig gehört, dass es in der Arktis kalt sei. Wenn man dort ist, weiß man aber erst, wie kalt es wirklich ist.“

… oder

„Ich hatte schon häufig gehört, dass es in der Arktis kalt sei. Wie kalt es aber tatsächlich ist, erlebte ich erst, als ich dort eintraf.“

Letzterer Satz liest sich wie ein Erlebnisbericht, lässt den Leser die Erlebnisse des Erzählers genau nachempfinden. Der erste Satz lässt mehr Platz für Interpretation und dem Leser die Möglichkeit, sich selbst in die Kälte hineinzuversetzen.

Verben

Ähnlich wie die Adjektive, bieten Dir Verben die Möglichkeit, eine Situation ganz genau zu beschreiben. Viele verschiedene Synonyme zu verwenden hilft Dir dabei, den Text lebendig und spannend zu gestalten. Verben sind zudem spannender als Nomen, da sie viel mehr Dynamik in Deinem Text schaffen. Du darfst dabei auch so genau wie möglich werden:

Entweder…

„Er lief den Bahnsteig entlang, um den letzten Zug zu bekommen.“

… oder

„Er spurtete den Bahnsteig entlang, um den letzten Zug zu erwischen.“

Hier siehst Du, wie ein einziges Wort mehr einer Situation eine ganze Portion Dramatik und Dringlichkeit verschaffen kann.

Vergleiche

Auch Vergleiche helfen dabei bildhaft zu schreiben. Sie geben Deinem Leser einen Anhaltspunkt; eine Orientierungshilfe. Sie verdeutlichen einen bestimmten Sachverhalt und setzen ihn in ein Verhältnis. Ein Vergleich macht ein Bild im Kopf auf:

Entweder…

„Er war sehr schwer.“

… oder

„Er war schwer wie ein junger Killerwal.“

Du siehst: Die Beschreibung „sehr schwer“ ist vage. Der Vergleich mit dem Killerwal macht erst bewusst, wie schwer dieser Mensch sein muss!

Wortwelten

Je nachdem, welche Worte Du verwendest, kannst Du ein und demselben Satz einen positiven oder negativen Touch geben. Vernwendest Du positiv besetzte Wortwelten, wird Dein Leser die beschriebene Situation als gut empfinden; verwendest Du negativ besetzte Wortwelten, nicht. Hier ein kleines Beispiel für Dich:

Entweder…

„Auf dem Markt war es überfüllt.“

… oder

„Auf dem Markt war es geschäftig.“

Beide Sätze beschreiben einen Markt, auf dem viele Menschen unterwegs sind. Das Wort „überfüllt“ macht es zu einer unschönen, das Wort „geschäftig“ zu einer aufregenden Erfahrung.

 

Und jetzt bist Du an der Reihe: Spiele mit den Verben und Adjektiven und beobachte, welche Wirkung der Text auf Dich macht. Ich wünsche Dir dabei viel Spaß!

Alles Liebe
Ann-Christin

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2 Gedanken zu „Kopfkino: Bildhaft schreiben mit 5 Textwerkzeugen

  1. Liebe Ann-Christin, vielen Dank für diesen tollen Beitrag. Ich finde es faszinierend und fantastisch, welch Macht Worte haben. Ich übe mich gerade im Story Telling und deine Tipps kommen wie gerufen. Liebe Grüße, Theresa

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